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VPAK

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Fachtag zum Jubiläum

"Was bedeutet Mehrsprachigkeit für die Bildung von Kindern und Jugendlichen heute?"

Der Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien (VPAK) e. V. feiert sein 40-jähriges Jubiläum.
Die Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen, RAZ feiert ihr 30-jähriges Jubiläum.
Zu diesem Anlass laden VPAK und RAZ zur gemeinsamen Jubiläumstagung ein.

14.10.2021, 9:00 Uhr, Universität Osnabrück, Schlossaula


Vorträge

Spracherwerb in der Zweitsprache Deutsch

Referentin: Prof. Dr. Angela Grimm

Systematischer Unterricht als Voraussetzung für ein effektives Lernen von Kindern mit relativ geringem sprachlichen Wissen

Referentin: Prof. Dr. Christa Röber


Fachforum 1

Elterliche und familiäre Erziehung zur frühkindlichen Mehrsprachigkeit

Referentinnen: Dr. Yasemin Uçan und Sylvia Lüdtke

Hauptzielgruppe:
Grundschullehrer*innen, Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen in KiTa´s, Grundschule und andere Interessierte

Kurze Beschreibung der Inhalte:
Die Familie als der zentrale Ort, an dem sich durch die Eltern-Kind-Interaktion die sprachliche Sozialisation des Kindes vollzieht, gilt in der Forschung als unumstritten (de Houwer 2009; Riehl 2018). Eine gemeinsame Sprache zwischen Eltern und Kind ist bedeutsam für ein anregungsreiches sprachliches Umfeld, familiäre Verbundenheit sowie für das Generationenverhältnis, da sie die Autorität der Eltern sichert (Leyendecker et al. 2015). Internationale Studien zeigen, dass Eltern ausgehend von ihren Erziehungsvorstellungen zum kindlichen Mehrsprachenerwerb das sprachliche Umfeld ihres Kindes gestalten (de Houwer 1999; King et al. 2008). Darüber hinaus ist die familiäre Mehrsprachigkeit durch zahlreiche weitere inner- und außerfamiliäre Einflüsse geprägt, mit denen sich Eltern auseinandersetzen müssen (vgl. Curdt-Christiansen 2009; King/Fogle 2017). Für Deutschland lässt sich diesbezüglich vor allem die einsprachige Ausrichtung der Bildungsinstitutionen festhalten, die in einem gegenläufigen Verhältnis zur familiären Mehrsprachigkeit steht (Neumann/Popp 1997; Reich 2008; Montanari/Panagiotopoulou 2019). In Hinblick auf familiäre migrationsbedingte Mehrsprachigkeit zeigt sich, dass in Familien der Verlust sowie das Aussterben von Familiensprachen wichtige Themen sind, die mit einer (Um-)Gestaltung der familiären Sprachpraxis einhergehen (Uçan 2021, i.E.).

Ziel des Workshops:
Im Workshop soll anhand einer eigenen qualitativen Interviewstudie mit Müttern und Vätern aus der Türkei aufgezeigt werden, welche Erziehungsziele und -vorstellungen Eltern im Kontext frühkindlicher Mehrsprachigkeit haben und welche Erwartungen sie Bildungsinstitutionen hinsichtlich sprachlicher Bildung hegen.

Es soll Raum geben für den Austausch eigener Erfahrungen bei der Kontaktaufnahme zu den mehrsprachigen Familien. Wir möchten dazu ermutigen, die manchmal bestehenden Schwierigkeiten zu benennen und dafür sensibilisieren, der Erzieher*innen- Seite und der Elternseite mit Achtsamkeit zu begegnen. Ausgehend von einer Monolingualität in den Familien sollen Selbstverständlichkeiten in der der Elternarbeit in der Kita und der Grundschule aufgedeckt und auf selbstverständlich Vorausgesetztes hingewiesen werden. Darüber hinaus soll gemeinsam erarbeitet werden, wie eigene sprachbildende Ressourcen der Familie am Beispiel einer mündlich Geschichten erzählenden Kultur und einer vorlesenden Kultur gestärkt werden können.


Fachforum 2

Wie kann Sprachunterricht ab Klasse 3 systematisch gestaltet werden?

Referentin: Prof. Dr. Christina Noack

Hauptzielgruppe:
Lehrkräfte der Grundschule und Sekundarstufe I

Kurze Beschreibung der Inhalte:
Der Vermittlung sprachlicher Themenbereiche in den höheren Grundschulklassen und der Unterstufe der Sekundarstufe I fehlt es oftmals an Systematik: Die satzinterne Großschreibung wird noch immer überwiegend an Wortarten festgemacht, Satzgliedlehre geht von der Frageprobe aus und für die Wortschreibung wird auf bestimmte Routinen zurückgegriffen, um nur drei Beispiele herauszugreifen. Sprachunterricht bleibt so auf die oberflächliche Anwendung bestimmter Verfahren beschränkt, die Regularitäten und Strukturen der Sprache aber bleiben für die Lernenden ebenso diffus wie die Zusammenhänge, die zwischen den einzelnen Bereichen bestehen, was Studien zufolge besonders für schwächere Schülerinnen und Schüler einen Nachteil darstellt. Stattdessen profitieren sie, wie alle anderen Schüler ebenfalls, von einem Unterricht, der ihnen reflektierte Einsichten in den Bau der Sprache ermöglicht.

Ziel des Workshops:
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen aktuelle, erprobte Methoden und Materialien zu Themen wie Wortschreibung, satzinterne Großschreibung oder Satzgliedlehre kennen, mit denen sprachliche Themen strukturiert und systematisch im Unterricht vermittelt werden können. Sprache wird dabei in übergeordneten Zusammenhängen untersucht, was dem integrativen Ansatz des Faches Deutsch Rechnung trägt.


Fachforum 3

Systematik der Sprache als Ausgangspunkt für die didaktische Planung in jedem Fach

Referentin: Kristina Löcken

Hauptzielgruppe:
Lehrkräfte ab der 3. Klasse unabhängig vom Fach

Kurze Beschreibung der Inhalte:
Sachtexte ist die am häufigsten auftretende Textsorte in der Schule und zugleich eine der schwierigsten. Schulbuchtexte enthalten oft Grammatikelemente, die nicht altersgerecht sind und curricular erst in späteren Jahrgängen behandelt werden. So findet man zum Beispiel Passivkostruktionen bereits in den Sachtexten in der Grundschule, aber das Thema Passiv wird erst in der 7. Klasse thematisiert. Es gibt in Sachtexten zahlreiche weitere Grammatikstrukturen, die außerhalb des Unterrichts nicht erworben werden können, da sie nur für die Schriftsprache typisch sind. Alltagssituationen liefern nicht genug Input zu ihrem Erwerb. Diese Diskrepanz – Vorhanden in den Texten, aber nicht vorhanden im aktiven Sprachgebrauch - führt zu Misserfolgen in der Schule. Lehrkräfte sind ebenso unzufrieden, weil sie sehen, wie mühselig die Wissensvermittlung stattfindet.

Aber es gibt einen Ausweg!

Das Positive ist, dass die Anzahl solch schriftsprachlicher Grammatikelemente überschaubar ist und durch kontinuierliche Beschäftigung in jedem Fach vermittelt werden kann. Dies erfordert bei Lehrkräften entsprechendes Wissen über die Sprache (vor allem Grammatik) und didaktische Vorgehensweisen zum Zwecke der Vermittlung der Sprache der Sachtexte.

Ziel des Workshops:
- Die Notwendigkeit des Wissens darüber, welche Stolpersteine den Kindern Sachtexte bereiten, bewusst zu machen.
- Elemente der Didaktisierung der Sachtexte in Hinblick auf schriftsprachliche Stolpersteine zu vermitteln.
- Die Aufmerksamkeit vom Wortschatz auf die Grammatik zu lenken.
- Curriculare Lücken in diesem Bereich zu besprechen.


Fachforum 4

Standard und Varietäten des Deutschen - Bildungs-/Schulsprache als nur eine Varietät des Deutschen?

Referentin: Karin Osterheider

Hauptzielgruppe:
Lehrer*innen und Lehramtsstudierende

Kurze Beschreibung der Inhalte:
Allgemeinhin wird gedacht, es gäbe nur „ein Deutsch“ und zwar das Standarddeutsch. Alles andere sei „Umgangssprache“.

Aber was ist eigentlich gemeint, wenn vom „richtigen Deutsch“ die Rede ist? Und gibt es überhaupt EIN „richtiges“ Deutsch? Neben dem Standard, im Sinne einer Verkehrssprache, sind es doch eher die Ausprägungen der Sprache, die gesprochen werden.  Diese Ausprägungen sind nichts anderes als Varietäten des Deutschen, die von unterschiedlichen Dimensionen aus betrachtet werden können und alle haben in bestimmten Kontexten ihre Berechtigung.

Wie verortet sich aber nun die Bildungssprache im Netz der sprachlichen Varietäten? Und wie ist Bildungssprache in der Institution Schule zu bewerten.? Ein Regelwerk, in dem klar und eindeutig steht, welche möglichen Strukturen des Deutschen bildungssprachlich korrekt sind, existiert nicht. Eine Ausnahme bildet hier die Orthografie, die sich nach der amtlichen Regelung richtet. In der Folge wird die Lehrperson zur Kontrollinstanz, die auch zu Fehleinschätzungen kommen kann. Und wie ist eigentlich die Bildungssprache zu lehren?

Ziel des Workshops:
Ziel des Workshops soll es sein, Lehrkräfte und Studierende mit Ziel Lehramt zu sensibilisieren, dass das Deutsche aus unterschiedlichen Varietäten besteht und jede Varietät ihre Berechtigung hat. Ein weiteres Ziel ist es, Lehrkräfte oder angehende Lehrkräfte dahingehend zu sensibilisieren, welche Schwierigkeiten die Schüler*innen haben, das Konzept bzw. die Funktion Bildungssprache-/Schulsprache zu verstehen.


Fachforum 5

Wie wirkt sich digitales Lehren und Lernen auf den Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern aus?

Referentinnen: Dr. Miriam Lotze und Annika Kretschmann

Hauptzielgruppe:
Alle (Berufs-)Gruppen, die sich mit der Bildung von Kindern beschäftigen

Kurze Beschreibung der Inhalte:
Digitalisierung ist ein Schlagwort, welches in Schule zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit digitalen Medien führen, aber gleichzeitig Schüler*innen auch an das Lernen mit digitalen Medien heranführen soll. In dem Fachforum sollen Fragen nach den Auswirkungen von digitalem Lehren und Lernen auf die Bildungserfolge von Schüler*innen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen reflektiert werden und ein Austausch über die Erfahrungen mit digitalen Unterrichtsformaten (des vergangenen Jahres) stattfinden. Ziel ist es, Beispiele und Rahmenbedingungen guter digitaler Lehr-Lern-Praxis miteinander zu entwickeln.  

Ziel des Workshops:
Ausbau des (didaktischen) Wissens aller, die sich mit digitalem Lehren und Lernen auseinander setzen und sich mit Fragen sozialer Ungleichheit beschäftigen.


Fachforum 6

Systematischer Unterricht als Voraussetzung für ein effektives Lernen von Kindern mit relativ geringem sprachlichen Wissen

Referentin: Prof. Dr. Christa Röber

Hauptzielgruppe:
Alle (Berufs-)Gruppen, die mit der sprachlichen Bildung von Kindern beschäftigt sind.

Kurze Beschreibung der Inhalte:
Nahezu alle Untersuchungen zum Lesen- und Schreibenlernen stimmen in dem Ergebnis überein, dass Kindern, die mit einem relativ geringen sprachlichen Wissen eingeschult werden, dann Lernerfolge aufweisen können, wenn sie die Gelegenheit haben, sich die Schriftsprache in kleinen, logisch aufeinander folgenden Schritten anzueignen. Das ermöglicht ihnen der Unterricht dann, wenn es ihm gelingt, die Schrift selbst als systematisch zu sehen. Diese Wahrnehmung der Schrift ist in der Didaktik noch nicht sehr verbreitet, daher auch in den vor- und außerschulischen Einrichtungen sowie in der Schule selbst noch wenig bekannt. Aus diesem Grunde werde ich in meinem Vortrag zahlreiche Belege für die Systematik der Schrift, damit auch der Orthographie, vorstellen, um in der folgenden Arbeitsgruppe an praxiserprobten Beispielen zeigen zu können, wie diese Wahrnehmung der Schrift unterrichtlich wirksam werden kann.

Ziel des Workshops:
Ausbau des sprachlichen und didaktischen Wissens aller, die mit der sprachlichen Bildung von Kindern beschäftigt sind.


Hinweis: Diese Fachtagung ist als Präsenzveranstaltung geplant. An der Universität Osnabrück gilt die 3G-Regelung.
Sollte sich die Lage vor Ort in Hinblick auf die Infektionszahlen ändern, wird sie - ggf. auch sehr kurzfristig - abgesagt oder verschoben. In diesen Fällen würden Sie rechtzeitig eine Info erhalten.

 

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